Gespeichert unter: Netzkultur, Wirtschaft | Schlagworte: Social Software, StudiVZ, Twitter, Web2.0
Martin Weigert schreibt heute auf netzwertig, studiVz plane eine Öffnung der API für Twitter um Facebook endlich etwas entgegensetzen zu können. Die Feststellung studiVz sei gegenüber Facebook wirklich Anno-Dazumal ist nicht neu. Ich habe letztes Jahr in einem kurzen Beitrag über Offene APIs geschrieben, dass die Öffnung der Schnittstellen wesentlich zum Erfolg von Facebook beitrage und habe auch dort schon sinnvolle Initiativen von StudiVz vermisst.

Die Idee, studiVz mit dem Microblogging-Dienst aufzuwerten ist im Grundsatz sicherlich begrüßenswert. Auf den zweiten Blick ist es so weit von dem tatsächlichen Nutzungsverhalten der Zielgruppen entfernt, dass es weh tut: die Nutzer von studiVz werden durch den Bologna-Prozess zunehmend jünger, und die Alternative meinVz scheint am ehesten von Gelegenheitsnetzwerkern genutzt zu werden, für die gelegentliche Profilpflege, Bildupload im VZ und Pinnwandschreiben genug des Netzwerkens sind. Bei Twitter hingegen muss man wie beim Bloggen wirklich dranblieben.
Twitter ist überflutet von Digital Natives, deren Leben das Web ist. StudiVz ist ein nettes kleines abgegrenztes Netzwerk für zwischendurch. Ich wurde neulich übrigens von meiner Friseurin gefragt, ob ich auch bei studiVz sei. Ich habe verneint, gelogen und sie gefragt ob sie twittere. Ich versuche mich auch bei Twitter, allerdings ist mein Alltag bei aller Netzaffinität nicht annähernd so stark durch das Web durchsetzt, als dass ich wirklich dranbliebe. Echter Nutzen kommt dann vielleicht auch erst durch mobiles Tweeten auf, was eine Datenverbindung und ein nicht ganz unter Studenten-Mainstream-kompatibles Handy verlangt, was gegen andere Kostenfresser eines Studiums abgewogen werden muss. An dieser Stelle möchte ich wüste Bemerkungen über Studiengebühren vermeiden und übergehe dieses Thema.
Zudem fällt auf, dass die Suche und Installation eines Twitter-Clients schon etwas mehr Affinität verlangt, als das simple Anmelden-Netzwerken-Abmelden bei studiVz oder Facebook. Bei mir an der Uni liegt die Nutzung von Twitter bei Fernerliefen, und wenn sich doch jemand einen Account zulegt, dann meist doch eher aus Neugierde und dem Wunsch zur Ingroup zur gehören als aus der rationalen Überlegung, hier liege neues Networking-Potenzial… Wirkliche viele aktive Nutzer des Kalibers Stefan Martens scheint es zumindest nicht zu geben.
Ich glaube kaum, dass es hier möglich sein wird, die beiden Plattformen erfolgreich als Gegengewicht zu Facebook zusammenzuführen. Die Nutzerprofile und ihr Verhalten im Netz sind einfach zu unterschiedlich, wenngleich der Ansatz sicherlich sinnvoll ist. Erfolgreicher, da bin ich mir fast sicher, wäre die Einführung von Apps wie bei Facebook, die zwar kaum Networking-Nutzen bringen, allerdings asynchron funktionieren, Kurzweil bieten und die Leute im Netzwerk halten. Denkbar wäre auch eine funktionierende Youtube oder Flickr-Anbindung, und eine besser integrierte Chat-Funktion.
Mehrblog sieht das Ganze übrigens völlig anders. Hier wurden 500 Nutzer im Blog befragt, welche Applikationen sie sich im VZ wünschten. 39% votierten für Twitter. Ich bin mir sehr sicher, dass hier hinterfragt werden muss, ob die 500 Nutzer, die sich an der Umfrage beteiligt haben, nicht ohnehin schon sehr netzaffine Nutzer sind, denen Twitter näher liegt als dem Durchschnitt aller studiVZ-Nutzer.
Was meint ihr?
-r-
PS: Interessante Erkenntnisse über die Nutzungs der Netzwerke in Deutschland gibt es bei den W3B-Studien.
Gespeichert unter: Mobile, Netzkultur | Schlagworte: Brightkite, GPS, Locatik, Location Aware Application, Location Based Services, Social Software, Web2.0
Obwohl Joe versucht, mich seit geraumer Zeit zu Brightkite zu prügeln, überzeugt es mich bisher noch nicht ganz. Es ist zwar toll mit Twitter und Facebook verbunden, allerdings finde ich es schon noch ein wenig umständlich, meinen Ort manuell anzugeben, auch wenn Brightkite dem ganzen ganz spacig-frische Namen gibt wie „Location einchecken“. Dafür brüstet sich doch der Dienst gerade damit, dass man kein GPS braucht, um ihn zu nutzen?
Auch bei Locatik gibt es eine neue Desktop-Version und eine völlig neue Mobile-Browser Version (zusätzlich zu der Symbian-Applikation, die man braucht, um spacig-frische Tiks zu senden). Die mobile Variante läuft schon ganz ordentlich und sieht auf meinem Handy gut aus, dafür hat aber www.locatik.com wieder neue Fehler: Zwar kann man neu getaggte Orte herumtwittern (Wow. Locatik fängt an mit anderen Programmen zu sprechen!), dafür aber fehlerhaft getaggte Orte nicht mehr editieren. Es gibt viele, viele viele neue Clipping-Fehler, der Dienst ist unangenehm langsam geworden und die Taggs sehen wesentlich schlechter aus als früher. Was hat Psiloc geritten, so ein Update herauszubringen? Hoffentlich wird es bald besser, denn auch wenn Brightkite keine GPS-Anbindung hat, ist es immernoch besser nutzbar als ein unheimlich innovatives, aber fehlerhaftes Locatik…
-r-
Gespeichert unter: Information, Netzkultur | Schlagworte: API, Facebook, Mashup, Skype, Social Software, StudiVZ, Twitter, Twitter4Skype, Web2.0
Social Software macht süchtig. Viele von uns sind ja in jungen Jahren schon zu irgendeinem StudiVZ oder Facebook-Account gekommen, die meisten zu beidem. Dann kamen Twitter und Britekite und LastFM, vielleicht Bloggs und LinkedIn und Qype und Jaiku und Hi5. Die meisten dieser Accounts vegetieren sicherlich bei vielen von uns dahin. Ich würde meinen Facebook-Account ja auch löschen, wenn ich darüber nicht von Zeit zu Zeit mit X aus Y, den ich vor 8 Jahren in Z kennengelernt habe, und der mich vor 5 Wochen über das Netzwerk anschrieb, irgendwie in Kontakt stünde.
Ich bin eher faul, was Facebook und StudiVZ angeht, deshalb bin ich dankbar, dass es inzwischen sowas wie Ping.fm und offene APIs gibt, sodass ich mit wenig Aufwand so tun kann, als würde ich Facebook auf dem Laufenden halten, obwohl ich nur irgendwo anders im WWW meine Spuren hinterlasse.
Heute habe twitter4skype entdeckt, einen Skypebot, der ohne Zusatzsoftware meine Twitter-API anzapft. Ping-FM wird sich meinen Twitter-Feed ziehen (zusammen mit eventuellen anderen Plattformen), und ihn über die API an ein Facebook-Plugin weitergeben. Fertig. Mein Facebook wird wissen, was mein Skype ihm zutwittert. Bald.
Offene APIs sind eine tolle Sache: Vor langer Zeit hat Google-Maps damit angefangen. Jetzt kann man überall sein, obwohl man nur einen Dienst nutzt. Nur StudiVZ scheint da ziemlich altbacken zu sein. Immer, wenn ich das Gefühl habe, auch dort Präsenz zeigen zu müssen, weil ich sonst Gefahr laufe, dass mein brachliegender Account gelöscht wird, muss ich mich anmelden, irgendwo meine Statusmeldung updaten („… ist am Status updaten“) und wieder ausloggen. Ich frage mich, wie lange es dauert, bis auch StudiVZ auf den Zug der offenen API aufspringt.

Andererseits ist fraglich, wie sehr sich der durchschnittliche StudiVZ-Nutzer für API-Mashups interessiert. Mir schien Facebook damals, als die ersten komplexen Upgrades erschienen, viel zu kompliziert und unübersichtlich zu sein. Vielleicht ist gerade eine einfaches und unabhängiges System das, was Interessierte zum ersten Mal an das Konzept der Social Software heranführt.
PS: Tut mir leid, dass auch der Blog lange brach lag. Uns fehlte die Muse. Besser Schweigen als Müll Schreiben.
-r-




