Rafazwonull vs Joe I/O


Studie: Wahrnehmung wird durch Wahl der Sprache beeinflusst

Ich bin eben auf spannende Erkenntnisse zum Thema sprachlich bestimmter Wahrnehmungsveränderung gestoßen, die die Tür für praktische Anwendungen (Marketing) und weitere Forschungsansätze sehr weit offen lässt.

David Luna vom Baruch College und Torsten Ringberg / Laura A. Peracchio (University of Wisconsin-Milwaukee) haben in einer im Journal of Consumer Research veröffentlichten Studie die Veränderung kulturspezifischer Wahrnehmungsrahmen bei zweisprachigen Frauen (Spanisch/Englisch) untersucht:

„Language can be a cue that activates different culture-specific frames,“ the researchers said in a study published in the Journal of Consumer Research.

While frame-shifting has been studied before, they said this research found that people who are bicultural switched frames more quickly and easily than people who are bilingual but living in one culture. (via Reuters)

In einer Vorstudie wurde hierbei quantitativ die sprachlich beeinflusste Assoziation der Begriffspaare „Feminine/Self Sufficient“ bzw. „Feminino/Auto-Sufficiente“ untersucht, bevor anschließend in unterschiedlichen Interviewsituationen qualitativ die Wahrnehmung von Werbespots und Plakaten auf Englisch und Spanisch ermittelt wurde.

Obwohl traditionelle Sterotypen eher das Bild einer starken Englisch-sprachigen Frau und einer dem Machismo unterliegenden Latina zeichneten, habe sich die Selbstwahrnehmung zweisprachiger Hispanics in letzter Zeit weitgehend gewandelt. So beurteilten die Probandinnen z.B. die Erscheinung von Frauen in einem Werbespot, der einmal in englischer, einmal in spanischer Sprache gezeigt wurde, beeindruckend unterschiedlich: während auf Spanisch die Assoziation einer selbstbewussten, starken und risikofreudigen Frau geweckt wurde, rief Englisch eher das Bild einer abhängigen, einsamen Frau hervor.

Neben der angewandten Forschungsmethodik fand ich auch die Konsequenzen für das interkulturelle Management sehr interessant:

From a managerial perspective, marketers interested in the bicultural market should be aware that ad interpretation can differ, depending on the language of the ad and the linguistic context in which it is placed (e.g., whether it is placed in a magazine mostly in English or mostly in Spanish). In general, marketers would benefit from matching the positioning of their brands (using self- and other-attributes) to the language in which customers view or read the ads. For example, a company targeting the Hispanic female market that wants its brand to be associated with independence and strength may consider conveying their message (in print or TV ads, etc.) in the Spanish language and/or in situations in which bilingual women converse and socialize in Spanish. (Luna et al. 2008: One Individual, Two Identities: Frame Switching among Biculturals)

Die Studie selbst ist sehr lesenswert und ich möchte sie allen IKK-interessierten sehr ans Herz legen. (Meldet euch bei mir, falls ihr keinen Zugriff auf das Journal of Consumer Research habt!)

-r-



Justice neu interpretiert
25.06.2008, 14:44
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Nachdem das Video zu Stress vor einiger Zeit Gemüter in Deutschland und Frankreich errregt hat, bin ich heute durch Spreeblick auf eine eher entspannte Neuinterpretation aufmerksam geworden.

Traumhaft, wenn da einer die Diskussion mal nicht ganz so ernst nimmt.

-r-



Justice und die Diskussion um „Stress“
13.05.2008, 18:36
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Heiß diskutiert in Frankreich, erreicht der Aufruhr um Justices (D.A.N.C.E, Never be alone) neustes Video von Kourtrajmé-Regisseur Gavras langsam auch Deutschland.

Auf Spiegel-Online wird das Werk pauschal als „Orgie aus Schrecken und Schlägen“ bezeichnet und kommt nicht allzu gut weg. Von einem perfiden und geschmacklosen Marketinggag ist die Rede. Die TAZ berichtet ein wenig differenzierter und klärt recht detailliert über die Hintergründe und den üblicherweise doch sehr gewaltätigen Kourtrajmé-Stil auf. Und natürlich lässt sich auch Le Monde ausführlich zu der Diskussion um den Clip aus.

Abgesehen davon, dass „Stress“ musikalisch in eine völlig andere Richtung läuft als das, was mir von Justice bislag untergekommen war (und auch ich mich daran eher gewöhnen muss), sehe ich natürlich auch die Gründe für den Streit um das Video. Friedlich geht es nicht gerade zu, wenn allerdings auch nicht wesentlich gewaltätiger als in „Smack my bitch up“ von Prodigy oder anderen Produktionen. Die Gewalt und das Banlieu-Flair sind durchaus bekannte Inhalte gesellschaftskritischer französischer Filme (La Haine, Banlieu 13, Kourtrajmé-Kurzproduktionen) und Musik-Videos (ein weiteres Video von Gavras gibts hier).

Schockierender als das Video scheint zu sein, dass Justice, die ja bislang immer eher als die lustigen, lieben Pariser Elektro-Pop-Jungs galten, plötzlich politisch sind, und richtig böse anmutende Clips machen, die von Gewalt, Ghetto und Immigrantenkindern handeln. Auch den Vorwurf, das Video sei gezielte Selbst-Vermarktung von Justice, halte ich für überzogen (zu dem mir völlig unverständlichen Vorwurf des Rassismus äußere ich mich erstmal gar nicht). Vielmehr glaube ich, dass mit ihm (auch durch die internationale Berühmheit von Justice und die relative Grenzenlosigkeit von französischer Musik im Vergleich zu französischem Kino) einmal mehr auf die vernachlässigte Unterschicht in den Pariser Banlieus hingewiesen werden soll – eine Gesellschaft, die von ungelösten Post-Immigrationsproblemen, Chancen- und Arbeitslosigkeit und Angst vor einem wütenden Sarkozy geprägt ist. Gerade die Jugend der Täter ist meiner Ansicht nach ein wesentliches Indiz dafür. Spannend ist jetzt die Interpretation der Rolle des Kameramannes, der das Vorgehen teilnahmslos filmt und solange akzeptiert, bis er selbst angegriffen wird. Die Schlusszene erinnert stark an den Tod des Kameramannes in Belvaux’ Mockumentary „Mann beißt Hund“ und könnte wie diese als Vorwurf an den passiven Zuschauer verstanden werden.

„Alors, ça te fait kiffer de filmer ça, fils de pute ?“

Lange Rede, kurzer Sinn: Hier ist das Video. Macht euch selbst ein Bild von ihm und von seiner französischen Ghetto-/Gewalt-Ästhetik.

Nachtrag 14.08.2008:

Inzwischen ist auf Spiegel Online eine weiterer, durchaus differenzierter Artikel zum Clip erschienen, der vor allem die künsterlischen Aspekte dieses Videos erklärt und einen interessanten Interpretationsansatz bietet.



Hildesheimer KuWis und die Groschenromane
23.04.2008, 23:05
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Manchmal machen unsere Hildesheimer Kulturwissenschaftler echt irre Sachen. In letzter Zeit scheinen Sie aber noch viel irrere Sachen zu machen.

Einen Groschenroman zu schreiben, ist harte Arbeit. In Hildesheim haben es Studenten unter professioneller Anleitung gewagt. „Als zwei Herzen sich verloren“ schaffte es bis an den Kiosk.
(via Zeit.de)

kuwihille



Stuff White People Like
17.03.2008, 20:15
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Obwohl es diese Kategorie eigentlich nicht gibt, ist stuffwhitepeoplelike.wordpress.com das definitive Netzfundstück der Woche. Ich kenne wenige Seiten, die gekonnter Klischees über weiße Amerikaner auflisten, und ebenso gekonnt deren Zorn auf sich ziehen (siehe Kommtare zu den einzelnen Beiträgen). Das Spannende an diesem Blog ist, dass nicht klar wird, ob diese Auflistung wirklich ernstgemein ist, oder jemand die ganze amerikanische Diskussion über schwarze und weiße Menschen vollständig auf die Schippe nimmt. Schlimm ist, dass ich mich (als weißer Nicht-Amerikaner), teilweise wiederfinde. Schaut es euch einfach mal an und macht euch ein eigenes Bild.

In the olden days of white culture, people used to look up to Kings and Princes. These were the people that they adored, and every night they wished and hoped that somehow they could wake up and be just like them. But with Royal Families crumbling, that role has been filled by one man: Mos Def. (via stuffwhitepeoplelike.wordpress.com)



A Global Projection of Subjective Well-being
5.03.2008, 22:49
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Ich bin gerade auf Zeit.de auf eine ziemlich interessante Studie über die weltweite Verteilung subjektiven Glücks gestoßen. Über eine Reihe objektiv messbarer Glücksfaktoren soll subjektives Glücksgefühl ermittelt werden. Ich habe die Studie
bislang zwar noch nicht vollständig gelesen, will sie hier aber nicht vorenthalten. Was mich schon ein wenig stutzig macht: Wie soll ein subjektives Gefühl nur durch äußere, messbare Faktoren bestimmt werden? Und spart das nicht interindividuelle Unterschiede ein wenig aus? Und wenn diese messbaren Faktoren wirklich etwas bestimmen, ist das dann das subjektive Glücksgefühl, oder ist das nur das Potential, aus dem ein subjektives Glücksgefühl unter dem Einfluss weiterer persönlicher und sozialer Bedingungen entsteht (in Ansätzen das, was ja auch bei Intelligenzmessung diskutiert wird). Vielleicht kann mir das ja jemand erklären. Interessant allemal. In Ansätzen philosphisch. Irgendwie.

Glück_zeit

Und hier noch ein kleiner Auszug aus dem „Satisfaction With Life Scale“:

Dänemark – 273
Schweiz – 273
Österreich – 260
[...]
USA – 247
[...]
Deutschland – 240
[...]
Jamaika – 233