Ich habe heute in einer freien Minute einen tollen Essay von Miriam Meckel gelesen, Professorin für Unternehmenskommunikation an der Universität St. Gallen. Sie erklärt, dass die Mehrheit der Menschen heutzutage zur Gattung des „homo connectus“ gehörten, und somit permanente kommunikative Vernetzung forderten, wenngleich sie sich von Ihr geplagt oder überfordert fühlten. Wir definierten unsere Identität und unsere Position im sozialen Leben inzwischen vornehmlich über den Grad der Vernetzung und unsere Erreichbarkeit. Und somit werde jede SMS und jede Email zum Signal, in der Welt wahrgenommen worden zu sein, und so auch zum Zeichen von Geltung und Anerkennung. Die Konnektivität werde zum Selbstzweck.
Meckel hält ein tolles Plädoyer, seine Elektrospielzeuge einfach mal auszuschalten! Ich muss schon sagen, dass ich mich ziemlich angesprochen fühle, und nicht erst seit heute ein schlechtes Gewissen habe, wenn ich zum vierten Mal in der Stunde meinen Maileingang prüfe und ganz enttäuscht feststelle, dass mich die Welt erneut nicht wahrgenommen hat. Bloggen halte ich übrigens für ebenso symptomatisch, denn ein Blog ist letztendlich auch nur ein Kommunikationsportal. Zwar fühle ich mich nicht wirklich krank, muss doch aber zugeben, dass Vernetzung ein ziemliches Suchtpotential hat. Früher habe ich dieser Sucht in Form von extensiven nächtlichen LAN-Parties nachgegeben, heute ist sie zum einen sozial angesehen, zum anderen muss ich für sie nicht einmal mehr das Haus verlassen und kann mich selbst bei mir entschuldigen, indem ich mir einrede, diese Beschäftigung sei bedeutend für meinen beruflichen Werdegang.
Was meint ihr? Ich habe jetzt zumindest ein schlechtes Gewissen, checke noch einmal meine Mails und lese dann ein Buch. Vielleicht.